„#“, Buntstiftzeichnungen auf Papier, 2021

Arbeitstitel „#“ (work in progress)

Wand-Installation von Buntstiftzeichnungen auf Papier

Die Vorlagen für die Motive dieser Serie sind private Fotos von mir fremden Kindern, die ich auf Instagram unter bestimmten Hashtags wie etwa #childrenofinstagram, #instachildren, #instagirl oder #instaboy gefunden habe.

Ich zeichne diese Bilder fein mit Buntstift ab, fast so als wären es Familienportraits. Nur lasse ich die Gesichtszüge weg und zeichne bloß verschwommene Flächen. Indem ich sie so unkenntlich mache, anonymisiere ich die Motive und vermeide dadurch auch, die Privatsphäre der abgebildeten Kinder weiter zu verletzen, was ja durch das Online-Stellen der Fotos bereits geschieht. 

Diese Anonymisierung fügt aber auch  eine Ebene des Unheimlichen hinzu. Die gesichtslosen Kinderportraits haben etwas Geisterhaftes und geben gleichzeitig ein Gesamtbild von Kindheit in der westlichen Konsumgesellschaft ab: Bilder von in der Badewanne badenden, auf Ponys reitenden oder hübsch inszenierten Kleinkindern werden medial massenweise veröffentlicht.

Was früher privaten Fotoalben und höchstpersönlichen Erinnerungen vorbehalten war, wird im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts auf Instagram unter Hashtags zusammengefasst. Die Erinnerungen an individuelle Erlebnisse – bis vor wenigen Jahren in analogen, privaten Fotoalben dokumentiert – lösen sich auf im kollektiven Selbstdarstellungsmedium.

Die Form der Präsentation der Zeichnungen erinnert an die Bildschirme, auf denen die Motive normalerweise zu sehen sind: Die Motive werden ausgeschnitten und auf rechteckige Stücke von halbtransparentem Papier geklebt und danach mit Stecknadeln an der Wand befestigt. Die Anordnung der Bilder an der Wand ist eine Art „St. Petersburger Hängung”, die auch auf das Netz und die „Cloud” und somit auf die Herkunft des Bildmaterials anspielt. 

Durch das Ausschneiden enthebe ich die Figuren jedoch ihres Kontextes und konzentriere mich rein auf die Darstellung der Kinder. In der Menge, neben- und untereinander an der Wand gehängt, wird besonders deutlich, wie eigenartig dieses „Ausstellen” von Kindern in teils intimen Situationen eigentlich ist.